Praktikumsbericht von Thomas Hilpert (März 2014)

„Ein Praktikum im Bundestag? Studierst du nicht Psychologie?“ – So oder so ähnlich waren die Kommentare auf meine Pläne für die Wintersemesterferien, einen Monat Praktikum im Abgeordnetenbüro MdB Reiner Meier zu machen. Tatsächlich scheint es auf den ersten Blick etwas fernab von dem zu sein, was man sich gemeinhin unter dem Berufsbild eines Psychologen vorstellt. Doch ebenso wie die möglichen Berufsfelder innerhalb der Psychologie sehr auseinandergehen, trifft man im Bundestag neben gängigen und sinnigen Studienhintergründen wie Jura und Politikwissenschaft auch exotischere Fächer wie Landwirtschaft und eben Psychologie an. Vorab: Eine hohe Affinität zur Politik und entsprechendes Wissen sind sicherlich wichtige Determinanten dafür, dass beide Seiten profitieren konnten. Meine Erfahrung ist jedoch, dass weniger das Studium über den Arbeitserfolg im Bundestag entscheidet. Vielmehr ist es allgemein die Bereitschaft, sich in komplexe Zusammenhänge einzuarbeiten, ein Gespür für die Trennung von Wichtigem und Unwichtigem und ausgeprägtes analytisches Denken. Bringt man diese Voraussetzungen mit, ist man auf dem besten Weg.

Nach einem Telefonat, in dem ich die Möglichkeiten einer Hospitation – auch für Psychologen – in Erfahrung gebracht und den ersten Kontakt hergestellt hatte, folgte die Bewerbung per E-Mail. Neben den obligatorischen Nachweisen und dem tabellarischen Lebenslauf bildete das Motivationsschreiben sicherlich das Kernstück der Bewerbung. Im Anschluss an ein kleines Telefoninterview bekam ich dann die Zusage und war überglücklich! Ich konnte es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig fassen, dass ich den Hörsaal bald mit dem Reichstag wechseln sollte.

Die Zeit in Berlin rückte näher und irgendwann stand ich vor dem Jakob-Kaiser-Haus. Das ist eines der Parlamentsgebäude um das Reichstagsgebäude herum, in denen die Abgeordneten ihre Büros haben. Dort wurde ich von Herrn Meier und seinen beiden Mitarbeitern in Berlin, Frau Janke und Herrn Thirmeyer, sehr herzlich begrüßt und aufgenommen. Diese beiden waren es auch, die mir zum einen hauptsächlich meine Arbeitsaufträge gaben, zum anderen aber auch gleichzeitig meine ersten Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen waren. 

Durch das Praktikum wollte ich mir einen möglichst breiten Überblick verschaffen. Meine Aufgaben innerhalb des Praktikums machten dies möglich. So wurde mir vom Büroleiter ein breites, ja buntes Spektrum an verantwortungsvollen und abwechslungsreichen Tätigkeiten übertragen.

Zum einen spielte sich das im Büro ab. Täglich durfte ich den Pressespiegel inhaltlich nach dem Gesichtspunkt der Relevanz für die Themenbereiche des Abgeordneten aufarbeiten. Somit konnte ich mitentscheiden, welche Presseartikel dem Abgeordneten als besonders lesenswert vorgelegt wurden. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der Bereich Gesundheit, da Herr Meier Mitglied im Gesundheitsausschuss ist. Bürgeranfragen sichten, die damals aktuelle Kommunalwahl in Bayern vor- und nachbereiten, besondere lokale Projekte ausfindig machen und Pressemitteilungen – dies sind nur einige Beispiele meiner Aktivitäten. Darüber hinaus arbeitete ich mich in bestimmte Themen sehr tief ein, beispielsweise in das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz. Hierfür durfte ich insbesondere den komplexen Preisbildungsmechanismus für ein neues Medikament herausarbeiten. 

Außerhalb des Büros durfte ich aus nächster Nähe in den Arbeitsgruppen und Ausschüssen erfahren, wie sich meine Recherchen und die Gesetzesvorhaben in der Praxis gestalten und an diesem Meinungsbildungsprozess indirekt teilhaben. Nicht zuletzt stand die Eröffnung des Bürgerbüros in Tirschenreuth an. Zu diesem Anlass reisten auch wir Mitarbeiter aus Berlin in die Oberpfalz und erlebten die Feierlichkeit inklusive der  Grußworte und Reden persönlich mit. Weiter nutzten wir diese Gelegenheit, den Wahlkreis eingehend in Augenschein zu nehmen, mit den Bürgerinnen und Bürger in den Dialog zu treten und deren Anliegen auch im Hinblick auf unsere Arbeit in Berlin wahrzunehmen. All dies machte diese Reise auch unter einem menschlichen Gesichtspunkt äußerst reizvoll und interessant – für mich ganz klar ein Highlight!

Ein nicht zu vernachlässigender Teil meines Praktikums war aber auch das Praktikantenprogramm der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Hier bot sich die Gelegenheit, weitere Praktikanten der anderen Abgeordnetenbüros bzw. der Bundestagsfraktion zu treffen. Das Programm sah zahlreiche interessante wie breitgefächerte Veranstaltungen vor. Oft diskutierten wir mit Politikern aktuelle Themen und Problematiken, z. B mit Wolfgang Bosbach, mit Max Straubinger, mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber oder auch mit Finanzminister Wolfgang Schäuble. Darüber hinaus besuchten wir das ZDF-Morgenmagazin und besichtigten u. A. das Berliner Abgeordnetenhaus, das ARD-Hauptstadtstudio und das Bundeskanzleramt. An jede dieser Veranstaltungen erinnere ich mich gerne zurück. Nicht zuletzt ergaben sich schnell viele Kontakte, die auch außerhalb des Regierungsviertels vertieft wurden und bis heute Bestand haben.

Rückblickend kann ich sagen, dass das Praktikum meine Erwartungen in jedem Fall erfüllt hat, wenn nicht sogar übertroffen. Neben der ausgesprochenen Vielfältigkeit und Bedeutungshaltigkeit der Aufgaben und Themengebiete waren es vor allem das Arbeiten in übergreifenden Kontexten und der Blick über den Tellerrand, die zu einem rundum gelungenen Monat in Berlin führten, der viel zu schnell verging. Ich konnte enorm viel dazulernen und durfte viele interessante Menschen kennen lernen, mit denen ich zum Teil bis heute in Kontakt stehe.

So kann ich ein Praktikum im Abgeordnetenbüro MdB Reiner Meier allen empfehlen, die politisch interessiert sind und inhaltlich wie menschlich weiterkommen wollen. Ihr werdet die Zeit nicht bereuen.